Samsung DeX läuft auf jedem Galaxy ab dem S8 von 2017, und verwandelt dein Smartphone per HDMI-Kabel oder Funk in einen voll funktionsfähigen Desktop-PC. Apple zog 2024 mit Stage Manager auf dem iPad nach, Google bringt 2025 einen nativen Desktop-Modus für Android 15. Drei Wege, ein Ziel: dein Handy ersetzt den Laptop für Office, E-Mails und sogar Bildbearbeitung.
Die Frage ist nicht mehr, ob ein Smartphone den PC ersetzen kann. Sondern wann es sich für dich lohnt, und wo die echten Grenzen liegen.
Warum Smartphone-Desktop-Modi gerade durchstarten
Aktuelle Flaggschiffe haben mehr Rechenpower als Mittelklasse-Notebooks von 2020. Ein Galaxy S24 Ultra mit Snapdragon 8 Gen 3 erreicht im Geekbench 6 Single-Core-Werte über 2.200 Punkte, das schlägt jedes MacBook Air mit M1 in Einzelkern-Performance. Bei 12 oder 16 GB RAM und 512 GB Speicher fehlt nichts mehr.

Was lange fehlte: eine Oberfläche, die diese Power auch im Desktop-Workflow nutzbar macht. Genau das liefern DeX, Ready For und der kommende Android-Desktop-Modus. Du steckst ein USB-C-Kabel in einen Monitor, schließt eine Bluetooth-Tastatur an, und plötzlich hast du Fenster, Taskleiste und Multi-Tasking, wie auf einem klassischen Rechner.
Im Hintergrund spart das Geld und Strom. Wer ein 1.000-Euro-Smartphone hat, braucht nicht zusätzlich noch ein 800-Euro-Notebook für Mail und Tabellen. Reisende packen weniger, Studenten haben ein Gerät weniger zu schleppen, und das Setup im Hotelzimmer dauert zwei Minuten.
Samsung DeX: der ausgereifteste Desktop-Modus
DeX startet automatisch, sobald du dein Galaxy per USB-C-Kabel an einen Monitor anschließt. Alternativ funktioniert es kabellos auf jedem Miracast-fähigen Smart-TV oder über die DeX-App auf Windows-PCs. Du bekommst eine Taskleiste, ein Startmenü, frei skalierbare Fenster und volles Drag-and-Drop zwischen Apps.

Im Alltag bedeutet das: Microsoft Word, Excel und PowerPoint laufen in Desktop-Ansicht, nicht als gestreckte Mobile-App. WhatsApp, Telegram und Slack zeigen mehrere Chats parallel in eigenen Fenstern. Sogar Chrome rendert Webseiten in voller Desktop-Version mit Erweiterungen.
Was wirklich gut funktioniert: Office-Aufgaben, E-Mail-Verwaltung, einfache Bildbearbeitung in Snapseed oder Lightroom Mobile, Video-Calls in Teams oder Zoom mit der Smartphone-Kamera als Webcam.
Motorola Ready For: die schlanke Alternative
Motorola hat mit Ready For einen eigenen Desktop-Modus gebaut, den alle Edge-Modelle ab dem Edge 30 unterstützen. Das System ist weniger umfangreich als DeX, dafür aber schneller eingerichtet. Du schließt das Smartphone an einen Monitor an, wählst einen von vier Modi, Desktop, Mobile Desktop, TV oder Game, und legst los.
Der Vorteil: Ready For verbindet sich auch direkt mit Windows-PCs als zweiter Bildschirm. Du kannst Smartphone-Apps in einem Fenster auf deinem Notebook laufen lassen, Dateien per Drag-and-Drop schieben und Anrufe vom Handy am PC annehmen. Wer ein Motorola Edge 50 Pro für unter 600 Euro nutzt, bekommt damit eine erstaunlich runde Alternative zu Samsungs Premium-Geräten.

Was Ready For fehlt: Multi-App-Resizing in Pro-Qualität und manche Office-Power-Features. Für klassische Büroarbeit reicht es, für komplexe Tabellen in Excel kommt DeX besser weg.
Android 15 Desktop-Modus: was Google plant
Mit Android 15 hat Google einen nativen Desktop-Modus angekündigt, verfügbar zunächst auf Pixel-Tablets, später auf Pixel-Smartphones der 9er-Generation und höher. Die Idee: ein einheitlicher Modus, der auf jedem Android-Hersteller-Gerät läuft, ohne proprietäre Lösung.
Erste Tester berichten: das Layout ähnelt ChromeOS, Apps lassen sich frei skalieren, und Multi-Window funktioniert mit bis zu vier parallelen Fenstern. Der Modus aktiviert sich automatisch beim Anschluss eines externen Displays.
Pixel-9-Pro-Nutzer können den Modus seit dem Quartalsupdate Q2/2025 testen. Bis zum flächendeckenden Rollout auf alle Android-15-Geräte dauert es voraussichtlich bis Mitte 2026.

DeX vs Ready For vs Android-Desktop im Direktvergleich
| Feature | Samsung DeX | Motorola Ready For | Android 15 Desktop |
|---|---|---|---|
| Verfügbar seit | 2017 (Galaxy S8) | 2021 (Edge 30) | 2025 (Pixel 9 Pro) |
| Multi-Window | Unbegrenzt | Bis 3 Fenster | Bis 4 Fenster |
| Funk-Übertragung | Ja (Miracast) | Ja (Wifi-Direct) | Geplant 2026 |
| PC-Verbindung | DeX-App für Windows | Nativ in Windows | Aktuell nicht |
| Office-Tauglichkeit | Sehr gut | Gut | Solide |
Hardware: was du wirklich brauchst
Damit der Smartphone-Desktop-Modus produktiv wird, brauchst du drei Dinge: ein Display mit USB-C-Eingang oder HDMI-Anschluss, eine Bluetooth-Tastatur und eine Maus. Touchpad-Bedienung am Smartphone-Display ist möglich, aber für längere Sessions ungeeignet.
Für Touch-Bedienung unterwegs, etwa bei kurzen Mail-Antworten ohne Tastatur, hilft es zu wissen, welche Handschuhe wirklich am Touchscreen funktionieren. Das spart bei mobilen Setups Zeit.
Mein-USB-C-Hub-Kandidat: ein 7-in-1-Adapter für rund 30 Euro mit HDMI 4K, USB-A, USB-C-PD und SD-Kartenslot. So kannst du gleichzeitig laden, externen Monitor und Maus/Tastatur über einen Anschluss bedienen. Wer öfter unterwegs arbeitet, packt sich noch eine faltbare Bluetooth-Tastatur dazu, kostet 35-60 Euro und passt in jede Hosentasche.
Wo der Smartphone-PC-Modus an Grenzen stößt
Foto-Profis mit RAW-Workflows in Lightroom Classic werden enttäuscht, Mobile-Versionen können nicht alles, was die Desktop-Variante kann. Gleiches gilt für Video-Schnitt in DaVinci Resolve oder Adobe Premiere. Programmieren in Visual Studio oder Webstorm? Geht nicht ernsthaft.
Auch Gaming jenseits von Casual-Titeln läuft nicht überzeugend. Ein angeschlossener Controller funktioniert für mobile Games gut, AAA-Titel wie sie auf einer modernen Konsole oder Gaming-PC laufen, sucht man vergeblich.
Und: Multi-Monitor-Setups mit zwei oder drei Bildschirmen unterstützen weder DeX noch Ready For zuverlässig. Wer auf erweiterten Desktop angewiesen ist, bleibt am klassischen PC.
Wann sich der Wechsel lohnt
Wenn du täglich Mails liest, in Office-Tools arbeitest, gelegentlich Slides erstellst und nicht mehr brauchst, kannst du dein Notebook für rund 90 Prozent der Aufgaben gegen ein Galaxy mit DeX tauschen. Ein S24 Ultra mit USB-C-Kabel, Bluetooth-Tastatur und externem Monitor kostet zusammen rund 1.100 Euro, und ersetzt das Smartphone gleich mit.
Power-User mit Foto-, Video- oder Code-Workflows behalten ihren PC. Aber selbst dann lohnt der Desktop-Modus für Reisen oder Hotel-Aufenthalte, wo man kein zusätzliches Notebook schleppen will. Welcher Galaxy- oder iPhone-Flaggschiff in deinen Workflow passt, hängt am Ökosystem: Apple-Nutzer profitieren von Universal Control mit dem iPad, Android-Nutzer von DeX-Stabilität auf Samsung-Geräten.
Kurzfassung für deine Entscheidung: Galaxy-Nutzer stecken einfach ein Kabel ein und probieren es heute Abend aus. Motorola-Edge-Besitzer machen es genauso. Pixel-9-Pro-User aktivieren den Desktop-Modus in den Entwickleroptionen. Drei Setups, jeweils unter zehn Minuten, dann weißt du ob's für dich reicht.

