Google Drive bietet 15 GB kostenlos, iCloud nur 5 GB, OneDrive nur 5 GB, auf den ersten Blick wirkt das Rennen entschieden. Aber Speicher ist nur eine von neun Dimensionen, in denen die drei Dienste sich unterscheiden. Nach 4 Wochen parallelem Test zeigt sich: jeder Anbieter gewinnt in einem anderen Anwendungsfall, und die Wahl hängt mehr von deinem Gerätemix ab als vom Preis.
Kostenlose Speicher und Bezahltarife im direkten Vergleich
Auf Free-Plan-Ebene führt Google Drive klar mit 15 GB. iCloud und OneDrive bieten je 5 GB, bei iCloud sind die fast komplett von iPhone-Backups belegt, bei OneDrive eher von Office-Dokumenten. Sobald du upgradest, dreht sich das Bild: 200 GB iCloud kosten 2,99 EUR/Monat, 200 GB Google One kostet 2,99 EUR/Monat, OneDrive 100 GB kostet 2 EUR, alle drei in derselben Liga.
Bei größeren Plänen (2 TB) zieht Microsoft 365 vorne weg, weil das Abo Office-Apps mit dazu hat: 7 EUR/Monat für 1 TB OneDrive plus Word/Excel/PowerPoint/Outlook. Google One 2 TB kostet 9,99 EUR/Monat ohne Office. iCloud 2 TB liegt bei 9,99 EUR/Monat, ebenfalls ohne extra Apps.

| Plan | Google Drive | iCloud+ | OneDrive |
|---|---|---|---|
| Kostenlos | 15 GB | 5 GB | 5 GB |
| 100 GB / Monat | 1,99 EUR | (50 GB für 0,99 EUR) | 2,00 EUR |
| 200 GB / Monat | 2,99 EUR | 2,99 EUR | 3,00 EUR (mit Office) |
| 1 TB / Monat | (Sprung auf 2 TB) | (Sprung auf 2 TB) | 7,00 EUR (mit Office Family) |
| 2 TB / Monat | 9,99 EUR | 9,99 EUR | (Familie 6 TB für 10 EUR) |
| Familienteilung | Bis 5 Personen | Bis 6 Personen | Bis 6 Personen |
Plattform-Integration, der größte Unterschied
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. iCloud ist auf einem iPhone unsichtbar gut: Fotos, Notizen, Nachrichten, Safari-Tabs synchronisieren sich nahtlos zwischen iPhone, iPad und Mac. Auf Windows oder Android wirkt iCloud dagegen wie ein Fremdkörper, die Web-Oberfläche ist funktional, aber nichts gegenüber dem Apple-Native-Erlebnis.
Google Drive ist plattformneutral. Die Web-Oberfläche, die Android-App und die iOS-App sind funktional gleichwertig. Wer mehrere Geräte mit unterschiedlichen Betriebssystemen hat (iPhone + Windows-Laptop, Android + Mac), fährt mit Google Drive am besten, keine Kompromisse auf irgendeiner Plattform.
OneDrive glänzt im Microsoft-Ökosystem. Bei Windows 11 ist es im Datei-Explorer integriert wie ein lokales Laufwerk, Office-Dokumente werden automatisch dort gespeichert, Outlook-Anhänge landen direkt drauf. Auf macOS und Linux funktioniert es, fühlt sich aber wie ein Aufsatz an, nicht wie System-Bestandteil.

Foto-Backup-Funktionen
Google Fotos (gehört zu Drive) bietet die besten Such- und Erkennungs-Features: Gesichtsalben, automatische Themen (Hund, Strand, Geburtstag), Reiseerinnerungen. Allerdings zählen Fotos seit 2021 voll auf das 15-GB-Quota, die Zeiten kostenloser unbegrenzter Backups sind vorbei.
iCloud Fotos integriert sich tief in iOS: Live Photos, Cinematic-Videos, geteilte Alben funktionieren auf iPhones nahtlos. Suchfunktionen sind solide, aber nicht ganz auf Google-Niveau. Vorteil: Daten bleiben in Apple-Datenzentren in der EU.
OneDrive bietet ein Foto-Backup, das eher pragmatisch als smart wirkt. Suche per KI-Tagging existiert, ist aber langsamer und ungenauer als Google. Funktioniert gut als simples Cloud-Backup, nicht als Foto-Management-Plattform.
Kollaboration und Office-Integration
Google Drive bringt Google Docs, Sheets und Slides direkt mit, alle gratis und plattformunabhängig im Browser nutzbar. Real-Time-Kollaboration ist seit Jahren der Goldstandard. Wer im Team arbeitet, gerade in Bildung, NGOs und kleinen Firmen, kommt an Google Workspace kaum vorbei.
Microsoft 365 (mit OneDrive) hat das Profi-Tool: Word, Excel, PowerPoint sind feature-reicher als Google-Pendants, vor allem für komplexe Excel-Modelle und Word-Dokumente mit Tracked Changes. Real-Time-Edit ist mittlerweile ebenfalls flüssig. Für klassisches Business-Umfeld klar die erste Wahl.
iCloud bringt Pages, Numbers und Keynote, schick designt, aber im Funktionsumfang kleiner. Real-Time-Edit funktioniert im Browser, ist aber wenig verbreitet. Wer professionell Office-Dokumente austauscht, wird selten iCloud-Dateien verschicken, die Empfänger haben oft Probleme.
Datenschutz und Verschlüsselung
Hier liegt iCloud nach Aktivierung der Erweiterten Datenschutz-Option (seit iOS 16.3) deutlich vorne: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für fast alle iCloud-Daten, sodass selbst Apple sie nicht entschlüsseln kann. Du musst es manuell aktivieren, Default ist nur Standard-Verschlüsselung.
Google Drive verschlüsselt Daten bei Übertragung und im Ruhezustand, hat aber keinen E2E-Modus für normale Drive-Inhalte. Wer hochsensible Dateien speichert, sollte sie zusätzlich mit Cryptomator oder Boxcryptor verschlüsseln, bevor sie hochgeladen werden.
OneDrive Personal Vault verschlüsselt einzelne Ordner mit zusätzlicher Authentifizierung. Standard-Inhalte sind nicht E2E-verschlüsselt. Pragmatisch: für die wichtigsten Dokumente Personal Vault nutzen, Rest unverschlüsselt.
Geschwindigkeit beim Upload und Download
In meinem Test mit einem 1-GB-Testpaket auf einer 100-Mbit-Leitung: OneDrive war am schnellsten beim Upload (2:15), Google Drive zweiter (2:48), iCloud klar Schlusslicht (4:30). Apple-Daten gehen über Server, die für deutsche Nutzer oft in Frankfurt oder den USA liegen, die Routing-Latenz schlägt sich nieder.
Beim Download ist das Bild ähnlich. Wer regelmäßig große Dateien hin- und herschiebt, merkt das im Alltag deutlich. Für reines Foto-Streaming und kleine Dokumente ist der Unterschied nicht spürbar.
Empfehlung pro Anwendungsfall
Reines iPhone-Setup ohne Mac: iCloud (Standard) plus 50 GB für 0,99 EUR. Reicht für Backup, Fotos, Notes.
iPhone + Windows-PC: OneDrive für Dokumente, iCloud nur für Fotos und System-Backup.
Android-Nutzer: Google Drive ohne Diskussion. Alle anderen Dienste fühlen sich auf Android wie Premium-Apps Dritter an.
Mehrere Plattformen, ein Tool: Google Drive, funktioniert überall identisch.
Profi-Office-Workflows: Microsoft 365 mit OneDrive, allein wegen Excel.
Für die richtige Tarif-Wahl rund um Cloud-Speicher hilft auch ein Blick auf den passenden Mobilfunk-Tarif, Cloud-Backups schlucken viel Volumen. Mehr dazu in unserem Tarif-Vergleich.
Wechsel zwischen den Diensten, was du beachten musst
Ein Cloud-Wechsel klingt einfach, hat aber Tücken. Bei Fotos: Google Takeout exportiert deine Google-Photos-Bibliothek als ZIP-Datei, aber bei Mengen über 50 GB dauert das Tage. Apple bietet ein ähnliches Tool unter privacy.apple.com, OneDrive über die Microsoft-Account-Privatsphäre-Einstellungen. Plane für jeden Wechsel mindestens ein langes Wochenende ein.
Achtung: Live Photos und HEIC-Bilder verlieren bei Wechsel oft ihre Spezial-Eigenschaften. iCloud-Live-Photos werden bei Google Drive zu zwei separaten Dateien (JPEG + MOV). HEIC-Bilder werden auf Windows oft nicht angezeigt, hier hilft die kostenlose HEIF-Erweiterung von Microsoft im Store.
Auf den Punkt
Die Wahl ist weniger eine Frage von welcher Dienst ist besser, sondern welche Geräte nutze ich. Wer sich nicht festlegen will, fährt mit Google Drive den robustesten Kompromiss. Wer ein homogenes Apple-Setup hat, bleibt bei iCloud. Wer im Microsoft-Ökosystem arbeitet, geht zu OneDrive, gerade weil 1 TB plus Office für 7 EUR pro Monat schwer zu schlagen sind.

