Ein modernes Smartphone sammelt im Schnitt 70 bis 100 Standortdaten pro Tag, selbst wenn du keine Navigation aktiv nutzt. Apps fragen das GPS im Hintergrund ab, Werbenetzwerke triangulieren über WLAN, und Google oder Apple speichern deine Bewegungshistorie zentral. Die gute Nachricht: Du kannst alles davon abschalten oder zumindest stark einschränken. Es dauert ungefähr 15 Minuten und du brauchst keine zusätzliche App.
Was Standortverfolgung wirklich bedeutet
Standortverfolgung läuft auf drei Ebenen parallel. Auf Ebene eins bestimmt dein Smartphone die Position über GPS-Satelliten, präzise auf 3 bis 5 Meter genau. Auf Ebene zwei nutzt das System WLAN-Hotspot-Daten und Mobilfunkmasten, um auch ohne GPS-Empfang einen ungefähren Standort zu ermitteln (Genauigkeit etwa 30 bis 200 Meter).
Auf Ebene drei sammeln Apps und Werbenetzwerke deine Standortdaten und schicken sie an externe Server. Eine durchschnittliche Wetter-App fragt deinen Standort 144-mal pro Tag ab, eine Navigations-App über 800-mal. Diese Datenmenge wird oft an Werbe-Aggregatoren verkauft, die daraus Bewegungsprofile erstellen.

Wer Standortverfolgung deaktivieren will, muss alle drei Ebenen einzeln abschalten. Die Hardware (GPS) lässt sich global aus, App-Berechtigungen einzeln, und die Cloud-Sammlung über deinen Apple- oder Google-Account. Erst die Kombination bringt echten Datenschutz.
Standort komplett ausschalten, Android
Auf Android-Geräten geht der schnellste Weg über die Schnelleinstellungen: Vom oberen Bildschirmrand zweimal nach unten wischen, dann auf das "Standort"-Icon tippen. Das deaktiviert sofort GPS, WLAN-Standortbestimmung und Mobilfunkortung, alles drei auf einmal.
Für eine dauerhafte Einstellung gehst du in "Einstellungen → Standort". Dort schaltest du den Standortdienst global aus oder konfigurierst die Genauigkeit. "Genau" nutzt GPS plus WLAN plus Mobilfunk, "Ungefähr" nur Mobilfunk und WLAN, "Aus" deaktiviert alles. Die mittlere Option spart Akku, wenn du Apps wie Wetter oder Lieferdienste nicht auf Meter-Ebene brauchst.

Für jede einzelne App regelst du den Zugriff unter "Einstellungen → Apps → [App-Name] → Berechtigungen → Standort". Drei Optionen stehen zur Wahl: "Immer erlauben", "Nur während der App-Nutzung" und "Nicht erlauben". Setze möglichst alle Apps auf "Nur während der Nutzung", Hintergrund-Tracking ist dann blockiert.
Standort komplett ausschalten, iPhone
Auf dem iPhone öffnest du "Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Ortungsdienste". Ein einziger Schalter ganz oben deaktiviert die Ortung systemweit. Apple zeigt dir darunter eine Liste aller Apps mit ihren aktuellen Standort-Berechtigungen, du siehst sofort, welche Apps Zugriff haben.
Pro App stellst du fünf Modi ein: "Nie", "Beim nächsten Mal fragen", "Beim Verwenden der App", "Immer" und für manche Apps zusätzlich "Genaue Position aus". Die letzte Option ist neu seit iOS 14 und liefert nur einen ungefähren Standort statt der GPS-genauen Position. Perfekt für Wetter- oder Nachrichten-Apps.
Tief versteckt ist die Funktion "Wichtige Orte" unter "Ortungsdienste → Systemdienste → Wichtige Orte". Hier protokolliert iOS, wo du regelmäßig bist, Zuhause, Arbeit, Stammlokal. Diese Liste solltest du löschen und die Funktion deaktivieren, wenn du keine personalisierten Karten-Empfehlungen brauchst.

Google- und Apple-Konto: Cloud-Sammlung beenden
Google speichert deine Bewegungshistorie in der "Standortverlauf"-Funktion deines Konten, selbst wenn dein Android-Gerät offline ist, holt das System die Daten beim nächsten WLAN nach. Du deaktivierst das unter myactivity.google.com → "Standortverlauf" → "Pausieren". Anschließend solltest du die gespeicherte Historie löschen.
Apple speichert ähnliches Material unter "Wichtige Orte". Diese Daten werden allerdings lokal auf deinem Gerät verschlüsselt, Apple selbst hat (laut eigenen Angaben) keinen Zugriff. Trotzdem solltest du die Funktion abschalten, falls du dein iPhone teilst oder aus der Hand gibst.
Beide Anbieter sammeln zusätzlich anonymisierte Standortdaten für Verkehrsinformationen und Krisenwarnungen. Das ist im Notfall hilfreich (Lawinen-Warnung, Hochwasser-Benachrichtigung), aber technisch die gleiche Datenerfassung. Wer maximalen Datenschutz will, deaktiviert auch das in den jeweiligen Untermenüs.
| Tracking-Quelle | Wo deaktivieren | Zeit | Effekt |
|---|---|---|---|
| GPS systemweit | Schnellzugriff | 10 Sek. | Sehr hoch |
| App-Berechtigungen | Apps-Einstellungen | 5 Min. | Hoch |
| Werbe-ID | Datenschutz-Menü | 2 Min. | Mittel |
| Standortverlauf (Google) | myactivity.google.com | 3 Min. | Sehr hoch |
| Wichtige Orte (Apple) | Ortungsdienste → System | 2 Min. | Mittel |
Werbe-ID und App-Tracking blockieren
Die Werbe-ID (Advertising Identifier) verfolgt dich quer durch alle Apps. Werbenetzwerke kombinieren sie mit deinem Standort, um zielgerichtete Werbung auszuspielen. Auf iOS heißt sie "IDFA", auf Android "AAID". Du setzt sie zurück oder deaktivierst sie komplett.

Auf iPhone: "Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Tracking → Apps Tracking-Anfragen erlauben" deaktivieren. Damit fragt jede App einzeln um Erlaubnis, die meisten lehnst du dauerhaft ab. Auf Android: "Einstellungen → Datenschutz → Werbung → Werbe-ID löschen". Die ID wird durch Nullen ersetzt, sodass kein App-Anbieter dich identifizieren kann.
Was bleibt nach allen Maßnahmen?
Selbst nach kompletter Deaktivierung bleibt eine Restspur. Mobilfunkmasten registrieren dein Gerät automatisch, sobald du eine SIM-Karte nutzt, das ist physikalisch nötig, sonst wäre kein Anruf möglich. Die Funkzellen-Daten landen beim Mobilfunkanbieter und können in seltenen Fällen herausgegeben werden (Strafverfolgung, Notrufe).
WLAN-Verbindungen hinterlassen ähnliche Spuren beim WLAN-Betreiber (Café, Hotel, Flughafen). Ein VPN verschleiert deinen Internet-Standort, schützt aber nicht vor der Funkzellen-Erfassung. Echte Standort-Anonymität bekommst du nur im Flugmodus oder mit einem Zweit-Gerät, das du gar nicht erst registrierst.
Welche Apps sind die größten Datensammler?
Eine Studie der Mozilla Foundation aus 2024 untersuchte 200 populäre Smartphone-Apps. Das Ergebnis: 78 Prozent fragten Standortdaten ab, obwohl ihre Kernfunktion das nicht erforderte. Besonders gierig waren Wetter-Apps (Durchschnitt 14-mal pro Stunde Standortabfrage), Spiele wie Pokémon Go (kontinuierlich), Lieferdienst-Apps wie Lieferando (alle 30 Sekunden bei aktiver Bestellung) und Social-Media-Apps wie TikTok oder Instagram.
Vergleichsweise zurückhaltend waren Banking-Apps von Sparkassen oder DKB (Standort nur bei Filialsuche), Messenger wie Signal oder Threema (gar kein Standort) und Newsroom-Apps wie tagesschau (regelmäßiges Polling, aber ohne Triangulation). Wenn du eine App-Aufräumaktion startest, beginnst du am besten bei den Wetter-, Spiel- und Lieferapps.
Schau dir jeden Monat den Datenschutz-Bericht in den iOS- oder Android-Einstellungen an. iOS unter "Datenschutz & Sicherheit → App-Datenschutzbericht", Android unter "Sicherheit & Datenschutz → Datenschutz-Dashboard". Dort siehst du grafisch, welche App in den letzten sieben Tagen wie oft auf den Standort zugegriffen hat.
Auf den Punkt
Datenschutz ist kein Schalter, sondern ein Workflow. Wer die globalen Standortdienste ausschaltet, verliert Navigation, Wetter-Lokalisierung und Notruf-Lokalisierung. Sinnvoller ist die granulare Steuerung: GPS bleibt an, aber Apps bekommen nur Zugriff während der Nutzung, der Standortverlauf in Google ist deaktiviert, und die Werbe-ID ist anonymisiert. Diese Kombi bringt 80 Prozent des Datenschutzes ohne 80 Prozent der Funktionseinschränkungen.
Plane einmal pro Quartal eine Datenschutz-Inventur ein. Apps installieren sich nach, fordern erneut Berechtigungen oder bekommen mit Updates neue Tracking-Funktionen. 15 Minuten Aufräumen verhindern, dass sich Standort-Zugriffe wieder ungefiltert ansammeln.
