Seit dem 15. Juni 2017 gilt in der EU die "Roam-like-at-home"-Regel, telefonieren, SMSen und mobiles Internet kosten in allen 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen genauso viel wie zu Hause. Das klingt nach Sorgenfreiheit, hat aber sechs konkrete Stolperfallen: Datenvolumen-Cap, faire-Nutzung-Klausel, Drittländer, Inseln und Überseegebiete, Premium-Nummern und Boote. Wer das einmal verstanden hat, zahlt im Urlaub keinen Cent extra.
Wie EU-Roaming wirklich funktioniert
"Roam-like-at-home" bedeutet: Dein deutscher Tarif gilt in jedem EU-Land genauso, ohne Aufpreis. Telefonierst du daheim 100 Minuten in deutsche Netze für 15 Euro, telefonierst du in Spanien ebenfalls 100 Minuten in spanische und deutsche Netze ohne Mehrkosten. Gleiches gilt für SMS und mobiles Internet. Der Anbieter darf weder eine separate Roaming-Gebühr verlangen noch das Datenvolumen drosseln, solange du im EU-Ausland bist.
Die Verordnung wurde 2024 bis Juni 2032 verlängert und um zwei Punkte verschärft: Erstens müssen Anbieter dieselbe Geschwindigkeit liefern wie zu Hause (5G zu Hause = 5G im Urlaub, falls vor Ort verfügbar). Zweitens dürfen sie keine versteckten Drosselungen einbauen. Praktisch heißt das: Wenn du daheim mit 100 Mbit/s surfst, musst du das im Roaming auch tun können, sofern das ausländische Netz das hergibt.

Wichtig zu wissen: Anrufe von Deutschland in andere EU-Länder (also "Auslands-Calls" von zu Hause aus) sind seit Mai 2019 ebenfalls gedeckelt, maximal 19 Cent pro Minute Festnetz und 6 Cent pro SMS. Das gilt aber nur, wenn du in Deutschland bist und ein EU-Festnetz oder Handy anrufst.
Datenvolumen im Roaming, wo die Grenzen wirklich liegen
Hier wird es spannend. EU-Roaming garantiert dir nicht zwingend dein volles Datenvolumen im Ausland. Anbieter dürfen für Tarife unter einem bestimmten Preisniveau ein Roaming-Limit setzen, die sogenannte "Fair Use Policy". Die Berechnung ist gesetzlich vorgegeben und hängt vom monatlichen Tarifpreis ab.
| Tarifpreis (netto) | EU-Roaming-Volumen 2025 | Beispiel |
|---|---|---|
| 5 EUR/Monat | ~6 GB | Discounter-Prepaid |
| 10 EUR/Monat | ~12 GB | Aldi Talk M |
| 15 EUR/Monat | ~18 GB | Telekom MagentaMobil S Aktion |
| 25 EUR/Monat | ~30 GB | Vodafone Smart M |
| 40 EUR/Monat | volles Volumen | O2 Free Unlimited Max |
Die Formel dahinter: Tarifpreis (netto) ÷ 1,80 EUR × 2 = GB-Cap. Bei einem 10-Euro-Tarif erhältst du 11,1 GB Roaming-Volumen, gerundet 12 GB. Surfst du das Cap leer, drosselt der Anbieter entweder oder berechnet pro zusätzliches GB maximal 1,80 EUR netto. Das ist gesetzlich gedeckelt und gilt sogar bei "Unlimited"-Tarifen, wenn der Tarifpreis unter 40 Euro liegt.

Schweiz, UK, Türkei, die teuren Ausnahmen
Die EU-Roaming-Regeln gelten nur für EU plus EWR. Vier beliebte Reiseziele fallen explizit raus, und hier wird es schnell teuer.
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, aber ein paar Anbieter binden sie freiwillig ein. Vodafone, O2 und 1&1 zählen die Schweiz oft zur EU-Zone, die Telekom nur in höherwertigen Tarifen. Discounter wie Aldi Talk berechnen 99 Cent pro Minute und 49 Cent pro SMS, Daten kosten 24,2 Cent pro MB, das sind 24 Euro pro GB.
Das Vereinigte Königreich ist seit dem Brexit raus. Die Telekom hat es 2024 in den EU-Verbund zurückgeholt, andere Anbieter berechnen aber separat. Vor jeder London-Reise lohnt sich ein Anruf bei der Hotline oder ein Blick ins Kundencenter, die Tarifstruktur hat sich seit 2021 dreimal geändert.
Die Türkei und alle Nicht-EU-Mittelmeerländer (Marokko, Tunesien, Ägypten) sind Drittstaaten. Hier kostet 1 MB schnell 5 bis 24 Cent, das macht beim Streamen eines einzigen YouTube-Videos 30 bis 100 Euro. Pflicht: Mobile Daten ausschalten oder Roaming komplett deaktivieren, sobald du Drittstaaten betrittst.

Inseln, Boote und Flugzeuge, die unsichtbaren Kostenfallen
Die Kanaren, Madeira, Azoren, Mallorca und alle italienischen, griechischen und kroatischen Inseln sind EU-Gebiet, Roaming gilt normal. Anders sieht es aus bei französischen Überseegebieten: Französisch-Guayana und Martinique sind teilweise eingeschlossen, Réunion und Mayotte oft nicht. Britische Kronabhängigkeiten wie die Kanalinseln (Jersey, Guernsey) und die Isle of Man sind ebenfalls nicht in der EU-Roaming-Zone, obwohl sie geografisch zwischen UK und Frankreich liegen.
Richtig gefährlich wird es auf Schiffen und in Flugzeugen. Sobald die Fähre die 12-Seemeilen-Zone verlässt, schaltet das Handy auf das Bordnetz "MaritimeComm" oder "AeroMobile" um. Diese Satellitenverbindungen gelten als Drittstaat-Roaming und kosten typischerweise 4 bis 10 Euro pro Minute, 1 Euro pro SMS und 12 bis 20 Euro pro MB Daten. Eine versehentlich heruntergeladene WhatsApp-Sprachnachricht kann auf einer Fährfahrt 50 Euro kosten.
Was kostet Telefonieren wirklich, die echten Tarife 2026
Stand Anfang 2026 sind diese Tarif-Strukturen Standard für die meisten Anbieter:
- EU + EWR: Komplett kostenlos im Tarif enthalten, Datencap nach Fair-Use-Formel
- UK: Bei Telekom MagentaMobil und Vodafone GigaMobil eingeschlossen, sonst 99 Cent/Min, 39 Cent/SMS, 24 Cent/MB
- Schweiz: Bei O2 Free, Vodafone GigaMax und Telekom Magenta-Tarifen ab L eingeschlossen, sonst gleiche Drittstaat-Preise wie UK
- USA, Kanada, Türkei: 1,99 bis 2,99 EUR/Min, 49 Cent/SMS, 24 Cent/MB, Tagespakete der Anbieter (typisch 4,95 EUR/Tag) lohnen ab 30 Minuten Telefonate
- Restliche Welt: 5 bis 9 EUR/Min, bis zu 24 Cent/MB, hier zwingend lokale SIM oder eSIM nutzen

Wer regelmäßig in Drittländer reist, sollte den Beitrag eSIM vs physische SIM lesen, eine lokale eSIM für 7 bis 15 Euro deckt meistens die ganze Reise ab und kostet einen Bruchteil der Anbieter-Tarife. Auch der Artikel Prepaid-Tarife im Test hilft bei der Auswahl eines roamingstarken Tarifs.
Was Anbieter im Streitfall tun müssen
Wenn du eine ungerechtfertigte Roaming-Rechnung bekommst, hast du klare Rechte. Anbieter müssen dich automatisch warnen, sobald du im Ausland 80 Prozent deines Daten-Caps erreicht hast, per SMS oder Push. Bei 100 Prozent muss die Datenverbindung gekappt oder gedrosselt werden, ohne dass du aktiv zustimmst. Eine Rechnung über mehrere hundert Euro ohne vorherige Warnung ist daher fast immer angreifbar.
Bei Drittstaat-Roaming greift eine weitere Schutzgrenze: Bei Erreichen von 60 Euro netto pro Monat muss die Verbindung gekappt werden, sofern du nicht aktiv höhere Limits zustimmst. Wer trotz dieser Regel eine vierstellige Rechnung bekommt, sollte zunächst beim Anbieter Widerspruch einlegen, dann an die Bundesnetzagentur eskalieren. In Erfahrung etlicher Fälle hat das Schlichtungsverfahren in 70 bis 80 Prozent der Beschwerden zugunsten der Verbraucher ausgegangen.
Auf den Punkt
EU-Roaming ist seit 2017 weitgehend kostenlos, aber nur in EU plus EWR und nur bis zum Fair-Use-Cap. Wer in der EU bleibt, einen Tarif ab 15 Euro hat und keine Inseln außerhalb der EU besucht, zahlt nichts extra. Drittstaaten kosten immer Geld; lokale eSIMs schlagen Roaming-Tagespässe in 90 Prozent der Fälle um den Faktor 5 bis 10. Die drei wichtigsten Schritte vor jeder Reise: Cap deines Tarifs prüfen, Roaming für Schweiz/UK/Türkei abklären, mobile Daten auf Schiffen und Flugzeugen ausschalten. Damit bleibt aus 4 Wochen Urlaub eine Handyrechnung wie zu Hause, keine 800-Euro-Überraschung.
