Apple ProRes belegt pro Minute 4K-Video rund 6 GB Speicherplatz, während HEVC mit derselben Auflösung nur etwa 350 MB braucht. Trotzdem filmen immer mehr Smartphone-Nutzer in ProRes. Der Grund: Das Format bewahrt deutlich mehr Bildinformationen für die Nachbearbeitung und ist in der professionellen Videoproduktion seit zwei Jahrzehnten Standard.
Was ProRes technisch anders macht als HEVC und H.265
ProRes ist ein sogenannter Intraframe-Codec. Das bedeutet: Jedes einzelne Bild wird komplett und unabhängig gespeichert, ohne Vorhersagen aus vorherigen oder nachfolgenden Frames. HEVC (H.265) arbeitet dagegen mit Interframe-Kompression und speichert nur die Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Bildern, was extrem viel Platz spart.
Der Vorteil von Intraframe zeigt sich beim Schnitt. Wenn du in einem HEVC-Video zu einer bestimmten Stelle springst, muss der Computer erst mehrere umgebende Frames dekodieren, um das Bild zu rekonstruieren. Bei ProRes liegt jedes Bild sofort als vollständige Information vor, weshalb der Schnitt flüssiger und die Vorschau schneller reagiert.

Farbtiefe ist der zweite entscheidende Unterschied. ProRes auf dem iPhone speichert in 10 Bit, das sind 1,07 Milliarden mögliche Farben gegenüber 16,7 Millionen bei 8-Bit HEVC. In der Praxis bedeutet das: Bei Farbkorrekturen in der Nachbearbeitung kannst du Schatten aufhellen oder Himmeltoene anpassen, ohne dass sichtbare Abstufungen (Banding) entstehen.
Welche Smartphones ProRes unterstützen
| Gerät | ProRes-Variante | Max. Auflösung | Speicher-Minimum |
|---|---|---|---|
| iPhone 16 Pro / Pro Max | ProRes, ProRes Log | 4K 120 fps | 256 GB |
| iPhone 15 Pro / Pro Max | ProRes, ProRes Log | 4K 60 fps | 256 GB |
| iPhone 14 Pro / Pro Max | ProRes | 4K 30 fps | 256 GB |
| iPhone 13 Pro / Pro Max | ProRes | 4K 30 fps (128 GB: nur 1080p) | 128 GB (eingeschränkt) |
| Samsung Galaxy S24 Ultra | Kein ProRes nativ | - | - |
| Google Pixel 9 Pro | Kein ProRes nativ | - | - |
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Stand 2026 ist ProRes-Aufnahme direkt auf dem Smartphone ein Apple-Exklusivfeature. Samsung und Google setzen auf eigene Formate mit hoher Bitrate, erreichen aber nicht die gleiche Schnitt-Kompatibilität im professionellen Workflow. Android-Nutzer können über Apps wie Filmic Pro oder Blackmagic Camera in Log-Profilen filmen, müssen aber auf echtes ProRes verzichten.

Eine wichtige Einschränkung: Auf dem iPhone 13 Pro mit 128 GB Speicher ist ProRes nur in 1080p verfügbar, nicht in 4K. Apple hat diese Limitierung eingeführt, weil 128 GB bei den enormen Datenraten von ProRes 4K schlicht zu schnell voll wären. Ab der 256-GB-Variante entfällt diese Beschränkung.
Wann sich ProRes am Smartphone lohnt und wann nicht
ProRes lohnt sich, wenn du Videos nach dem Dreh in einer professionellen Software wie DaVinci Resolve, Final Cut Pro oder Premiere Pro schneidest und dabei Farben korrigierst. Typische Anwendungsfälle: Kurzfilme, Musikvideos, Immobilien-Touren für Makler, Produktvideos für Online-Shops und YouTube-Content mit aufwändiger Farbgestaltung.
Nicht sinnvoll ist ProRes für spontane Alltagsvideos, Instagram-Stories oder TikTok-Clips. Diese Plattformen komprimieren jedes hochgeladene Video ohnehin stark auf ein eigenes Format, sodass die Qualitaetsvorteile von ProRes im fertigen Upload nicht mehr sichtbar sind. Du verschwendest in diesem Fall nur Speicherplatz und Uebertragungszeit.
Eine Faustregel: Wenn du dein Video direkt vom Smartphone teilst, ohne es vorher am Computer zu bearbeiten, bringt ProRes keinen erkennbaren Vorteil gegenüber HEVC. Der sichtbare Unterschied entsteht erst durch die Nachbearbeitung, speziell bei Farbkorrekturen, Belichtungsanpassungen und dem Ziehen von Details aus Schattenbereichen.
Speicherplatz und Workflow: Die praktischen Herausforderungen
Eine Minute ProRes 4K bei 30 fps belegt etwa 6 GB Speicher. Bei 60 fps verdoppelt sich das auf rund 12 GB pro Minute. Ein fuenfminuetiges Video in 4K 30 fps braucht also 30 GB, in 4K 60 fps bereits 60 GB. Mit einem 256-GB-iPhone hast du nach Abzug von System und Apps realistisch Platz für rund 30 Minuten ProRes 4K bei 30 fps.
Der Transfer dieser Dateien ist die zweite Hürde. Ein einzelnes fuenfminuetiges ProRes-Video per AirDrop auf den Mac zu schieben, dauert bei guter Verbindung zwei bis drei Minuten. Per USB-C geht es schneller, erfordert aber ein Kabel und die Nutzung von Image Capture oder dem Finder auf dem Mac. Cloud-Upload in Originalqualität ist bei diesen Dateigroessen kaum praktikabel.
Für den professionellen Workflow empfiehlt sich eine klare Struktur: Am Drehtag sofort alle ProRes-Clips auf eine externe SSD oder den Rechner übertragen, ein Backup anlegen und erst dann vom iPhone löschen. Wer das aufschiebt, hat nach zwei Drehtagen ein volles iPhone und steht unter Druck, Clips ungesichert zu löschen.
ProRes Log: Noch mehr Spielraum für die Farbkorrektur
Mit dem iPhone 15 Pro hat Apple zusätzlich ProRes Log eingeführt. Log-Video sieht direkt aus der Kamera flach und entsättigt aus, fast wie ein Schwarz-Weiss-Bild mit leichtem Farbstich. Das ist Absicht: Log-Profile speichern den maximalen Dynamikumfang, also den grössten möglichen Unterschied zwischen den hellsten und dunkelsten Bereichen im Bild.
Für dich als Nutzer bedeutet das: Du hast in der Nachbearbeitung noch mehr Spielraum als mit normalem ProRes. Ueberbelichtete Wolken und dunkle Schattenbereiche lassen sich zurückholen, ohne dass Bildrauschen oder Farbartefakte entstehen. Professionelle Coloristen arbeiten fast ausschliesslich mit Log-Material, weil es die meiste kreative Freiheit bietet.
Der Nachteil: Log-Video erfordert zwingend eine Farbkorrektur. Ohne Nachbearbeitung sehen die Aufnahmen matt und leblos aus. Du brauchst also nicht nur die Speicherkapazität, sondern auch das Wissen und die Software für einen Color-Grading-Workflow. Für Einsteiger ist normales ProRes oder sogar HEVC die bessere Wahl, weil die Bilder direkt aus der Kamera gut aussehen.
Lohnt sich ProRes für dich? Eine ehrliche Einschätzung
Wenn du deine Smartphone-Videos regelmässig in einer professionellen Schnittsoftware bearbeitest und Wert auf maximale Farbtiefe legst, ist ProRes ein echtes Upgrade. Du bekommst Kameraqualität, die vor fünf Jahren nur mit Geräten ab 2.000 Euro möglich war, direkt aus der Hosentasche. Besonders für Content Creator, die hohe Produktionsqualität auf YouTube oder Vimeo anstreben, ist das Format ein Gamechanger.
Für alle anderen gilt: HEVC liefert bei einem Bruchteil der Dateigröße hervorragende Qualität, die auf Smartphone-Bildschirmen und den meisten Social-Media-Plattformen nicht von ProRes zu unterscheiden ist. Du sparst Speicherplatz, Transferzeit und brauchst keine Nachbearbeitung für ansprechende Ergebnisse.
Die Entscheidung hängt also weniger von der Technik ab als von deinem Workflow. Frage dich: Bearbeite ich meine Videos am Computer mit Farbkorrektur? Habe ich genügend Speicher (mindestens 256 GB) und eine Backup-Strategie? Wenn beide Antworten Ja lauten, nutze ProRes. Wenn nicht, bleibe bei HEVC und investiere deine Zeit lieber in bessere Bildkomposition und Lichtsetzung, denn das macht mehr Unterschied als jeder Codec.

